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Dispokredit

Dispokredit, Dispositionskredit, © Marcus Kretschmar, girokontoantrag.de
Dispokredit

Der Dispositionskredit, auch Dispokredit oder umgangssprachlich kurz: Dispo genannt, ist wahrscheinlich das häufigste private Darlehen.

Er wird von Banken und Sparkassen in Verbindung mit einem Girokonto gewährt.

 

 

 

 

 

Was versteht man im Bankwesen unter einem Dispokredit?

Normalerweise wird ein Girokonto auf strikter Guthaben-Basis geführt. Das bedeutet, dass der Kontoinhaber nur über die Mittel verfügen kann, die aktuell auf dem Konto vorhanden sind. Durch einen Dispokredit räumt das Geldinstitut dem Kunden die Möglichkeit ein, darüber hinaus Geldbeträge für den bargeldlosen Zahlungsverkehr in Anspruch zu nehmen. Der Dispositionskredit darf nicht mit einer geduldeten Überziehung verwechselt werden. Bei der geduldeten Überziehung gestattet die Bank, dass Überweisungen durchgeführt oder Abbuchungen vorgenommen werden, obwohl das Guthaben auf dem Girokonto dafür eigentlich nicht ausreicht. Der wichtigste Unterschied besteht darin, dass der Kunde keine rechtlichen Ansprüche für eine geduldete Überziehung hat, sondern diese vollständig von der Kulanz der Bank abhängt. Ein Dispo dagegen wird, wie andere Kredite auch, zwischen Bank und Kunden verhandelt und vertraglich festgelegt. Er benennt einen festen Kreditrahmen, bis zu dessen Höhe das Girokonto belastet werden kann, auch wenn das Guthaben auf dem Konto momentan nicht ausreicht. Der Dispo wurde in den sechziger Jahren eingeführt, als die EDV in der Lohnabrechnung Einzug hielt und mehr und mehr Arbeitnehmer ihren Lohn nicht mehr in bar ausgezahlt bekamen, sondern Girokonten eingerichtet wurden, auf die regelmäßige Zahlungen, wie Lohn, Gehalt, Rente, Pension oder soziale Leistungen, überwiesen wurden. Um diese Konten für die Kunden attraktiver zu machen, führte die Kreissparkasse Köln 1968 als erstes deutsches Geldinstitut einen Dispokredit in seiner heute klassischen Form ein. Im Kreditwesen wird ein Dispo unbefristeter Kontokorrentkredit genannt.

 

Welche Bedingungen zeichnen einen Dispokredit aus?

Die Vertragsparteien, das heißt die Bank und der Kunde, einigen sich auf die Höhe des Kreditrahmens, den Betrag, bis zu dem das Girokonto maximal überzogen werden darf. Im Allgemeinen ist das der zwei- oder dreifache Betrag des monatlichen Geldeingangs auf dem Konto. Weiterhin wird der geltende Zinssatz festgelegt. Dieser schwankt von Anbieter zu Anbieter sehr stark, selbst innerhalb derselben Bankengruppe. Im Vergleich zu Ratenkrediten sind die Zinsen bei Dispokrediten fast immer höher. Im Vertrag werden zudem die Regeln für die Änderung des Zinssatzes und für die Beendigung des Darlehensvertrags festgelegt. Räumt die Bank dem Kunden einen Dispokredit ein, muss der Kunde dessen Inkrafttreten nicht ausdrücklich zustimmen. Die Zustimmung geschieht durch die Inanspruchnahme des Darlehens. Für den Dispokredit sind außer den Zinsen keine gesonderten Bearbeitungsgebühren fällig. Sicherheiten werden meistens nicht verlangt.

 

Wer kann einen Dispokredit bekommen?

Für dieses Darlehen ist fast jeder Verbraucher qualifiziert. Lediglich drei Voraussetzungen müssen erfüllt sein. Erstens muss der Kunde volljährig und voll geschäftsfähig sein, zweitens muss er über ein regelmäßiges monatliches Einkommen verfügen und drittens dürfen keine negativen Einträge bei der Schufa vorliegen. Für die Höhe des Kredits gibt es keine Regelungen. Sie wird zwischen Geldinstitut und Kunden anhand der individuellen Bedingungen festgelegt. Im Unterschied zu einem Ratenkredit hat ein Dispokredit keine feste Laufzeit. Die Bank erwartet vom Kunden, dass der Dispokredit innerhalb der nächsten zwei bis drei Monate ausgeglichen werden kann. Bleibt das Konto dagegen mehr als sechs Monate im Minus, kann die Bank den Dispokredit einfrieren und den Vertrag kündigen. Personen ohne regelmäßiges Einkommen, darunter Freiberufler und Selbstständige, haben in vielen Fällen Schwierigkeiten, einen Dispokredit zu bekommen.

 

Welche Vor- und Nachteile hat ein Dispokredit?

Der Dispo ist einer der beliebtesten Verbraucherkredite, weil er sehr einfach zu bekommen und zu nutzen ist. Er bietet dem Kunden Flexibilität und ermöglicht ihm, kurzfristige finanzielle Engpässe zu überbrücken. Diese Bequemlichkeit und Flexibilität haben jedoch einen hohen Preis. Der Dispokredit gehört zu den teuersten Darlehen überhaupt, besonders wenn er über längere Zeit in Anspruch genommen wird. Durch ihn sind schon viele Bankkunden in die Schuldenfalle geraten.

 

Was ist besser, ein Dispokredit oder ein normaler Ratenkredit?

Das kommt ganz auf die Umstände an. Wenn der Kunde den vereinbarten Dispokredit nur gelegentlich und in geringem Umfang in Anspruch nimmt, eignet sich dieser besser als andere Arten von Darlehen, da ein Dispokredit immer zur Verfügung steht, wenn er einmal eingeräumt worden ist. Ein Ratenkredit dagegen muss jedes Mal neu beantragt werden, wenn er benötigt wird. Die Gefahr beim Dispokredit liegt darin, wenn er ständig in Anspruch genommen wird. Manche Kunden nutzen ihr Kreditlimit jeden Monat bis zum Maximum aus. Wenn das über Jahre oder gar Jahrzehnte geschieht, entstehen dadurch immense Kosten wegen der hohen Zinsen. Wird der Dispokredit über den vereinbarten Rahmen hinaus in Anspruch genommen, berechnet die Bank sogar noch höhere Überziehungszinsen oder verweigern die Zahlung. Für Kunden, die ab und zu Geld brauchen, kann ein Dispokredit durchaus nützlich sein. Größere Anschaffungen jedoch finanziert man besser mit einem Ratenkredit. Dieser hat den Vorteil, dass die Darlehenssumme festgelegt ist und in vorher vereinbarten monatlichen Raten getilgt wird. Dadurch weiß der Verbraucher im Voraus, wann seine Schulden getilgt sein werden.

 

Wie können Verbraucher vermeiden, in die Schuldenfalle zu geraten?

Wenn die Bank einen Dispokredit einräumt, muss der Kunde diesen nicht zwangsläufig in der angebotenen Höhe akzeptieren. Er hat auch die Möglichkeit entweder darauf bewusst ganz zu verzichten oder den Kreditrahmen so zu reduzieren, dass er beherrschbar bleibt. Es muss nicht immer das Dreifache des Lohns oder Gehalts sein, das als Kreditrahmen genutzt wird. In vielen Fällen reichen ein paar Hundert Euro aus, um finanzielle Engpässe überbrücken zu können. Ein anderer wichtiger Punkt ist Selbstdisziplin. Es ist leicht gesagt, aber schwer getan, den Kreditrahmen nicht in Anspruch zu nehmen, besonders wenn es dem Kunden so leicht gemacht wird. Wenn der Dispokredit ständig zu einem großen Teil in Anspruch genommen wird, ist das ein Alarmsignal, das auf eine Überschuldung hindeutet. In diesem Fall sollte der Kunde nicht einfach so weitermachen, sondern das Gespräch mit seiner Bank suchen. Eine Möglichkeit, aus der Dispofalle zu entkommen, besteht beispielsweise darin, in Übereinkunft mit der Bank den Dispokredit schrittweise zu reduzieren, bis sich der Kreditrahmen auf einer akzeptablen Höhe bewegt. Eine weitere Möglichkeit ist die Umwandlung des Dispos in einen Ratenkredit, der abgezahlt wird und nach dessen Tilgung der Kunde schuldenfrei ist.